Ausschlafen, das eine oder andere Kaltgetränk am Zelt genießen und den Tag ganz entspannt um 18:25 Uhr mit The Narrator beginnen. Das Line-up davor verbuchten wir ehrlicherweise unter der Kategorie „brauchen wir nicht unbedingt“.
Die Band erwischte uns eiskalt und überraschte uns auf ganzer Linie positiv. Mit einer unfassbaren Energie und einer absolut mitreißenden Performance brachten sie die Menge im Handumdrehen zum Kochen und machten richtig Bock auf mehr.
Was bleibt, ist der Beweis, dass die ungeplanten Momente oft die besten sind – Betontod hat uns an diesem Nachmittag voll abgeholt!
Danach marschierten wir zur T-Stage um die bereits genannten Essener anzusehen.
Die Modern-Metalcore-Formation The Narrator präsentierte sich im Fahrwasser ihres frisch veröffentlichten Albums „Phosphor“.
Stilistisch lieferte die Band genau das, was man von modernem deutschen Metalcore erwartet:
Ein gutes Fundament aus harten, präzisen Breakdowns, gepaart mit aggressiven Shouts und den typischen, melodisch-eingängigen Refrains. Der Sound war druckvoll abgemischt, erfand das Rad der Sparte jedoch zu keinem Zeitpunkt neu.
Insgesamt lieferten The Narrator einen absolut soliden und durchschnittlich guten Auftritt ab.
Direkt im Anschluss ging es weiter mit den Ochmoneks.
Die Band aus Düsseldorf brachte einen spürbar anderen Vibe auf das Festival: Ihr Stil bewegt sich klar im Bereich des klassischen Punkrock mit ordentlich Deutschrock-Einschlag. Anstelle von modernen Core-Strukturen gab es hier schnörkellose, dreckige Gitarren und rotzige, deutschsprachige Hymnen. Der Sound passte perfekt zum rauen Garagen- und Street-Punk-Flair, das die Band verkörpert.
Im weiteren Verlauf flachte die Euphorie allerdings ein wenig ab: Die nachfolgenden Songs gefielen uns mal mehr, mal weniger und die Spannungskurve schwankte spürbar. Die lieb gemeinte Ballade haute uns auch nicht vom Hocker. Vielleicht sind wir zu unromantisch. ;)
Gesagt, getan – mit dem Song „Hautevolee“ hatten sie die Lacher auf ihrer Seite. Ein weiterer Song, der uns richtig gut gefiel, war „Ochmoneks Open Air“ da die Nummer einfach direkt aus dem Leben gegriffen ist und eine tolle Festival-Mentalität transportiert.
Die Singer-Songwriterin stammt von den abgelegenen Färöer-Inseln und bringt von dort einen sehr eigenwilligen, nordischen Sound mit. Ihr Stil bewegt sich in einem weiten Feld zwischen Art-Pop, modernem Folktronica, Ambient und cinematischen, nordischen Folk-Elementen, die oft von atmosphärischen Beats getragen werden.
Musikalisch hatten wir uns hier einiges erhofft, wurden letztendlich aber leider enttäuscht.
Der Funke wollte einfach nicht überspringen, was vor allem daran lag, dass der recht eigenwillige Gesangsstil auf Dauer etwas anstrengend wirkte und allgemein nicht unseren Geschmack traf.
Wenn man diese Band mit Wardruna vergleichen möchte, zieht sie klar den Kürzeren: Wardruna wirken live weitaus authentischer und stimmungsvoller in ihrer Darbietung. Für uns hat das an diesem Tag einfach nicht gepasst, weshalb wir recht schnell wieder weg waren.
Thormesis stammen aus dem nahegelegenen Rothenburg ob der Tauber. Nachdem die Franken bereits im Jahr 2023 ihre erfolgreiche Premiere auf dem Summer Breeze Open Air gefeiert hatten, kehrten sie nun hochmotiviert zurück.
Stilistisch bewegen sie sich in einem atmosphärischen und zugleich extrem druckvollen Black Metal, der geschickt mit Pagan-Metal-Elementen sowie melodischen Gitarrenarrangements kombiniert wird.
Gespielt wurde auf der Campsite Circus Stage, und vor der Bühne war es richtig voll – es hatten sich wirklich viele Leute versammelt, um die Lokalmatadore abzufeiern. Die düstere, packende Stimmung sprang sofort auf das Publikum über.
Uns hat die Performance so gut gefallen, dass wir im Anschluss direkt am Merch-Stand zugeschlagen haben: Ein T-Shirt wurde sofort eingepackt, und das aktuelle Album wird definitiv auch noch besorgt. Ein rundum gelungener Auftritt, der im Gedächtnis bleibt!
Die Schweizer Band brachte einen ganz eigenen, epischen Vibe auf das Festivalgelände. Stilistisch bewegen sie sich im Bereich des Atmospheric Black Metal, der sehr stark von Epic Folk geprägt ist.
Ihre Musik verbindet rasende Riffs, Blastbeats mit orchestralen Arrangements, cineastischen Melodien und naturverbundene, mythologische Themen, was perfekt zu dieser späten Stunde passte.
Der Auftritt fand um halb eins nachts auf der Wera Tool Stage statt. Trotz der späten Uhrzeit war der Platz vor dem Infield ganz gut gefüllt mit treuen Fans, die sich diese musikalische Reise nicht entgehen lassen wollten.
Die nächtliche Dunkelheit bot die perfekte Kulisse für den dichten, hymnischen Sound. Nach der rohen Energie der vorherigen Show war dieser fließende Übergang zu den epischen Klanglandschaften ein echtes Erlebnis.
Das irische Projekt rund um Gavin Dunne erwies sich als extrem abwechslungsreich. Die enorme Bandbreite liegt vor allem daran, dass hier keine typische Band auf der Bühne steht, die sich nur auf ein einziges Genre beschränkt. Stattdessen vertont der Künstler bekannte Videospiele und Kinofilme.
Weil jedes Game eine eigene Welt transportiert, wechselt der Sound ständig komplett durch: Mal klingt es nach gewaltiger Orchestermusik, mal nach treibendem Rock, mal nach keltischer Folklore oder düsteren Wikinger-Chören.



