Summer Breeze 2026: Donnerstag

Nach den ersten beiden langen Nächten tat es verdammt gut, den Donnerstag erst einmal ruhig angehen zu lassen. Wir konnten mal so richtig ausschlafen, blieben bis halb elf gemütlich im Zelt liegen und frühstückten ganz entspannt. Durch diesen späten Start in den Tag verpassten wir allerdings Our Promise, die eigentlich als erster Act auf unserem Zettel gestanden hatten – der Auftritt war uns am Ende einfach zu früh.
 
Somit wurde die deutsche Formation From Fall to Spring unser offizieller Opener für den Donnerstag. Vorab mussten wir uns allerdings entscheiden, da sich deren Slot zeitlich mit Massive Wagons überschnitt. Im Nachhinein war die Wahl für From Fall to Spring aber die absolut richtige Entscheidung, denn die Band aus dem Saarland brachte ab der ersten Sekunde einen verdammt starken Sound auf die Hauptbühne. Musikalisch bewegen sie sich im modernen Nu-Metal und Post-Hardcore, was bedeutet: Hier treffen harte Metal-Gitarren auf extrem eingängige, poppige Melodien und modernen Sprechgesang. Durch den doppelten Gesang der beiden Zwillingsbrüder an der Front hat die Musik unglaublich viel Energie und absolute Ohrwurm-Garantie. Kurz gesagt: Das klang live einfach super!
 
Wir wären unheimlich gerne bis zum Ende geblieben, doch die extreme Mittagshitze machte uns irgendwann einen Strich durch die Rechnung. Völlig ins Schwitzen geraten, wollten wir uns eigentlich nur schnell ein kühles Wasser im Pressebereich holen. Leider durfte man die vollen Flaschen nicht mit nach draußen auf das Gelände nehmen. So genossen wir das kühle Nass halt im Pressebereich, verpassten dadurch allerdings den Rest der Show.
 
Der Auftritt war trotzdem so gut, dass wir uns nun unbedingt noch ein T-Shirt der Truppe besorgen wollen und die Musik definitiv auf unserer Playlist landet!
 
Weiter ging es mit einem echten Kontrastprogramm: Broken by the Scream reisten extra aus Tokio an. Die Gruppe mischt extremen Metalcore, Deathcore und Djent mit klassischem J-Pop.
Das bedeutet konkret: Während zwei der Sängerinnen zuckersüße Pop-Melodien singen und dazu tanzen, brettern die anderen beiden tiefste, brutale Growls und fiese Screams heraus. Dieser Mix aus niedlicher Optik und völlig hemmungslosem Metal-Krawall nennt sich Kawaii- oder Idol-Metal und hat echt was.

Obwohl diese Musikrichtung absolute Geschmackssache ist, zog die Truppe kurz nach dem Mittag massenhaft Leute vor die Wera Tool Stage. Der Platz war richtig voll.
Was diesen Auftritt besonders machte: Die Mädels lieferten eine richtige Performance ab. Das war nicht einfach nur Musik, sondern eine durchgestylte Show mit Choreografien und einer enormen Bühnenpräsenz, die das Publikum von vorne bis hinten fesselte.

Für uns war das Ganze eine echte Überraschung: Im Vergleich zu Genre-Kollegen wie Hanabie. oder ähnlichen Bands fanden wir Broken by the Scream mit Abstand am Besten. Die Mischung wirkte live extrem durchdacht, packend und brachte einfach richtig gute Laune auf den Platz. Ein total verrückter, aber absolut sehenswerter Auftritt – das nächste Mal gerne auch auf einer größeren Bühne!
 
Nach einer kurzen Getränkepause folgten Northlane, die den weiten Weg aus Sydney angetreten hatten.
Die Australier sind absolute Pioniere im modernen Progressive Metalcore und Djent, kombinieren diesen Sound in den letzten Jahren aber auch extrem stark mit elektronischer Musik.
Neben sehr harten, vertrackten E-Gitarren-Rhythmen und tiefen Shouts breiten sich sphärische Synthesizer-Klänge, Techno-Beats und ein sehr klarer, emotionaler Gesang aus. 
War ne gute Show aber irgendwie konnten uns die Truppe nicht überzeugen.
 
Weiter ging es am späten Nachmittag mit Serpents, die für ihr Debüt extra aus Polen nach Dinkelsbühl gereist waren. Die Band brachte einen extrem modernen Sound auf die Campsite Circus Stage, der von der Kombination aus harten Metal-Gitarren und drückenden Techno- sowie Synthesizer-Beats lebt.
 
Wir hatten uns im Vorfeld sehr auf diesen Auftritt gefreut und die Songs extra noch auf der Hinfahrt im Auto angetestet. Da die Studio-Tracks wirklich vielversprechend klangen, pilgerten wir mit ziemlich hohen Erwartungen zur Bühne. Leider sprang der Funke beim eigentlichen Konzert dann aber nicht so recht über. Uns fehlte live einfach diese markante Mischung – die drückenden Elektro- und Techno-Elemente, die auf Konserve noch so gut klangen, traten auf der Bühne leider viel zu sehr in den Hintergrund. Am Ende hatten wir uns von der Show der Truppe zwar einfach einen Tick mehr erhofft, aber für Fans von gitarrenlastigerem Sound war der Auftritt sicher trotzdem eine solide Sache.
 
Wir verzichteten zwecks Abendessen Pause auf Trollfest und Imminence denn danach war kaum noch ein Stop zu erwarten. Da sich die weiteren Acts nahezu die Klinke in die Hand gaben.
 
Als Nächstes stand ein echtes Kontrastprogramm auf unserem Plan: Aesthetic Perfection. Das im Jahr 2000 von Daniel Graves in Hollywood gegründete Musikprojekt, welches mittlerweile in Österreich beheimatet ist, sprengte auf der Bühne so ziemlich jede klassische Metal-Schublade.
 
Und genau das machte den Auftritt zu einem absoluten Highlight: Ihr Sound – oft als Industrial Pop oder Aggrotech betitelt – brachte eine völlig neue Energie auf das Festival. Graves und seine Mitstreiter vermischten aggressive, elektronische Beats und verzerrten Schreigesang mit extrem eingängigen Pop-Melodien und düsteren Dark-Electro-Elementen. Das Ergebnis war ein extrem tanzbarer und energiegeladener Stilmix, der auf dem campside Circus für einen komplett eigenständigen Vibe sorgte. Für uns ein durchweg gelungener Auftritt, der bewies, wie gut moderner, elektronischer Abriss auf ein Metal-Open-Air passt!
 
Weiter ging es an der Wera Tool Stage mit Mittel Alta. Die Truppe entpuppte sich als regelrechter Zuschauermagnet: Obwohl Broken by the Scream mittags schon gut vorgelegt hatte, mobilisierte diese Show noch einmal ganz andere Dimensionen. Der gesamte Platz war rappelvoll mit Menschenmassen – deutlich mehr, als sich noch bei den Japanern eingefunden hatten.
 
Musikalisch servierte die Band ihre Songs mit einer kräftigen Gitarrenunterstützung. Das kam weitaus druckvoller rüber und passte ehrlich gesagt auch deutlich besser auf ein Metal-Festival. Positiv hervorheben muss man auch, wie gut sie die kleinere Wera Tool Stage mit ihrer Performance sehr gut ausfüllten. Die Band hatte das riesige Publikum mühelos im Griff und wir sind uns ziemlich sicher: Nächstes Jahr spielen Mittel Alta auf einer größeren Bühne.
 
Das war es dann aber auch schon an Pluspunkten, denn inhaltlich holte uns das Spektakel überhaupt nicht ab. Die Texte waren uns streckenweise schlicht zu „drüber“, und den extremen Hype um die Truppe können wir nach diesem Auftritt weiterhin nicht nachvollziehen. Unser Fall war der Gig unterm Strich also nicht – auch wenn beim Gassenhauer „Ficket euch“ der Mitgröl-Faktor vor der Bühne am Ende so hoch war, dass zumindest die Stimmung endgültig überkochte.

Nach den Strapazen des Tages verordneten wir uns erst einmal eine längere Pause am Zelt – die hochsommerliche Hitze forderte schlicht ihren Tribut. Frisch akklimatisiert ging es danach für Eddi auf eine Reise tief in die finsteren und kompromisslosen Gefilde des Black Metal.

Den Anfang machten um 23:30 Uhr Groza auf der Wera Tool Stage, und die Band lieferte einen wie erwartet großartigen Auftritt ab. Musikalisch ballerte uns die Truppe verdammt finstere, stimmungsvolle Black-Metal-Klänge um die Ohren, die von pfeilschnellem Gitarrengefeuer, einem gnadenlosen Schlagzeug-Gewitter und richtig packendem, giftigem Gekreische lebten. Dieser düstere Sound verfehlte seine Wirkung nicht: Im Publikum herrschte eine absolut großartige Stimmung. Die Menge ging von vorne bis hinten voll mit und feierte die starke Performance ordentlich ab – ein absolut gelungener Auftakt für diesen nächtlichen Streifzug durch die Dunkelheit.

Hochmotiviert durch den starken Auftritt machte Eddi sich direkt auf den Weg zur T-Stage, wo Blackbraid auf dem Programm standen. Viele der Fans, die eben noch bei Groza die Faust gereckt hatten, zogen wohl auf direktem Weg einfach mit weiter. Entsprechend gut gefüllt präsentierte sich das Areal vor der Bühne zu dieser späten Stunde.
 
Musikalisch ging die Reise in die Dunkelheit nahtlos weiter, allerdings mit einer ganz eigenen Note. Blackbraid walzten mit ihrem packenden, indigen angehauchten Black Metal los: Ein wilder Mix aus pfeilschnellem, räudigem Geknüppel und epischen Melodien, bei denen man die raue Natur Nordamerikas förmlich spüren konnte. Zwischendurch blitzten immer wieder traditionelle, fast schon folkige Elemente auf, was dem Ganzen einen verdammt coolen, erdigen Charakter verlieh. Auch hier sprang der Funke sofort über, und die Menge feierte den rohen, energiegeladenen Sound der Truppe bis in die tiefe Nacht hinein ab.
 
Als finaler Stopp dieser nächtlichen Reise ging es für Eddi schließlich zurück zur Wera Tool Stage zu Hindarfjäll. Selbst zu dieser späten Stunde um 01:25 Uhr morgens war das Areal vor der Bühne noch gut gefüllt – zu so einer unchristlichen Zeit definitiv keine Selbstverständlichkeit.
 
Der Auftritt war ein packendes Erlebnis. Hindarfjäll spielten keinen klassischen Metal, sondern überzeugten stattdessen mit einem urwüchsigen, ungemein kraftvollen Nordic-Folk-Sound.
 
Auf der Bühne kam dabei eine ganze Palette an traditionellen Instrumenten zum Einsatz, die dem Gig eine unglaublich dichte, altertümliche Tiefe verliehen. Zusammen mit den tiefen, beschwörenden Gesängen und den treibenden Rhythmen entstand vor der Bühne eine echt beeindruckende Stimmung. Das Publikum stand entweder wie gebannt im Dunkeln oder feierte die epischen Klänge andächtig, aber intensiv ab und ließ sich von dieser ganz besonderen Atmosphäre bis zum letzten Ton tragen.
 
Auch Saor hätten sich an diesem Abend sicher noch einen Besuch verdient gehabt, allerdings forderte der Körper dann doch unmissverständlich sein Recht auf Ruhe ein. So endete die Nacht also gemütlich im Campingstuhl auf dem Campground. Ganz auf die Schotten verzichten mussten wir aber nicht: Die atmosphärischen, schweren Metal-Klänge der Band wehten noch erstaunlich gut rüber zu unserem Zelt und lieferten so die perfekte Kulisse, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen.

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